Ein Interview im Fernsehen und von der notwendigen Infrastruktur

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Am Montag hatte sich eine Reporterin unseres lokalen Fernsehsenders a-tv bei mir gemeldet, um ein Interview zum Thema Lastenräder zu machen. Ja, die von der Stadt Augsburg angekündigte Förderung (ab dem 01. Juli) sorgt dafür, dass das Thema Lastenrad in aller Munde ist. Leider sollte der Termin bereits am Dienstagvormittag sein, und es war mir beruflich unmöglich diesen wahrzunehmen. Doch zum Glück hat Carola sich bereiterklärt diesen TV-Auftritt zu übernehmen und da sie ja ihre Strecken auch alle mit dem CargoBike zurücklegt, ist das Thema bei ihr sehr gut aufgehoben. Das Thema Radinfrastruktur war eines der Themen im Interview. Natürlich aber auch unser autofreier Alltag und ob Lastenräder eine Alternative zum Auto sind. Gerade bei der letzten Frage kommt es aus unserer Sicht aber sehr auf den Standpunkt an.

ein im Einzelfall genutztes Auto kann eine sinnvolle Ergänzung zum Fahrrad sein

Nachdem wir seit fünf, nicht wie im Interview genannt zwei Jahren, ohne eigenes Auto sind, suchen wir eigentlich keine Alternative zum Auto. Ein im Einzelfall genutztes Auto kann eine sinnvolle Ergänzung zum Fahrrad oder Lastenrad sein. Eigentlich schade, dass Mobilität immer automatisch mit Automobilen in Verbindung gebracht wird.

Hier geht es zum TV-Beitrag

Lastenräder im Alltagseinsatz

Nochmal zurück zum TV-Beitrag. Eher durch Zufall, oder weil es einfach zu unserem Alltag gehört, hatten unsere CargoBikes diese Woche auch einiges zu schleppen. Nachdem der Mai bisher eher kühl und regnerisch war wollte ich den Samstag unbedingt nutzen, um im Garten einiges zu erledigen. Auch Produkte vom Biohof standen auf meiner Liste. Also zunächst nach Hirblingen und zehn Kilo Roggen besorgen.

Getreide und Arbeitstasche
Getreide und Arbeitstasche

Im Garten sollten ein paar Fundamente entstehen und so ging es weiter zum Baumarkt, um einen Sack Estrichbeton zu kaufen. Außerdem noch ein paar Rohre.

das muss auch noch rein...
das muss auch noch rein…

Der gesamte Einkauf fand gut in meinem Load 60 Platz.

Alles verstaut, ab nach Hause.
Alles verstaut, ab nach Hause.

Die Fundamente sind dann am Freitagabend schnell erledigt gewesen. Also ging es am Samstag früh morgens erneut zum Baumarkt um Kantholz, Folie und sonstiges Montagematerial für unser Gewächshaus zu besorgen. Wir waren zwar mit zwei Rädern in der Drive-in- Arena, aber das Packster 80 hätte eigentlich genügt. Nachdem bei der langen Variante unseres CargoBikes auch Kantholz mit drei Metern Länge nicht sehr überstehen, benötigten wir nicht einmal eine rote Fahne 😊.

Noch einmal das Thema Infrastruktur

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass auf den meisten Wegen,welche wir im Alltag benutzen, die Infrastruktur für Radfahrer in Ordnung ist. Klar, es gibt immer etwas zu verbessern. Auf dem Heimweg vom Baumarkt zum Beispiel kam ich mir stellenweise vor wie der Voraustrupp eines Schwertransporters, denn der Abstand der Sperrpfosten auf den Radwegen machte ein Durchkommen unmöglich. Wobei ich hier ja unlängst auch schon mit einem Fahrradanhänger gescheitert bin. Also vorausfahren, Pfosten raus, Carola passieren lassen und Pfosten wieder rein. Gut, dass die Dinger meist ohne Werkzeug zu entfernen sind, sonst müsste ich mir glatt einen Dreikantschlüssel ins Rad legen.

Warum sind diese Sperrpfosten überhaupt nötig?

Die Frage über die Notwendigkeit der Sperrpfosten ist eigentlich die direkte Antwort auf die Frage nach der passenden Infrastruktur. Zur Verdeutlichung noch zwei Beispiele aus dieser Woche.

Verfolgungsjagd

In einer Straße, in der das Tempo auf 30 Stundenkilometer beschränkt ist wurde ich diese Woche wild hupend von einer sehr betagten Dame mit dem Auto verfolgt. Aufgrund der Enge vergrößerte sich der Abstand zwischen uns (sie musste mehrfach wegen Gegenverkehr anhalten) immer wieder. Irgendwann habe ich dann angehalten und gefragt warum sie denn kontinuierlich ihr Signalhorn betätige? In sehr erregtem Zustand und mit weißen Fingerknöcheln erklärte sie mir, dass sie seit 40 Jahren hier wohne und ich gefälligst den Radweg zu benutzen habe. Leider nahm ihre Aufregung stetig zu, als ich sie darauf hinwies, dass sich in 40 Jahren auch mal etwas ändern kann. Die Benutzungspflicht wurde aufgrund der geringen Breite des Weges bereits vor zehn Jahren aufgehoben.

Was sollte sich hier also an der Infrastruktur verbessern – Tempo 30, eigentlich genügend Platz auf der Fahrbahn?

Verkehrsinseln anrempeln

Ein weiters Beispiel aus dieser Woche. Diesmal nicht hupend aber mit heulendem Motor wurde ich schon am Morgen, auf dem Weg zur Arbeit beglückt. Das ganze, als ich mit gut 25 km/h in einer 30 Zone unterwegs war. Aufgrund geparkter Autos und dem Gegenverkehr war an ein Überholen (zum Glück) nicht zu denken. Kaum war das letzte Auto aus der Gegenrichtung vorbei, heulte der Motor (vermutlich im ersten Gang) noch mehr auf und das Auto schoss, natürlich sehr knapp, an mir vorbei. Die wilde Fahrt wurde jäh verlangsamt als der PKW mit dem linken Vorderrad an der plötzlich auftauchenden Verkehrsinsel hängen blieb und nach rechts versetzt wurde. Das ganze geschah Gott sei dank ein paar Meter vor meinem Vorderrad, so dass ich das Schauspiel mit einem unterdrückten Grinsen gefahrlos beobachten konnte. Irgendwie schaffte der offenbar versierte Lenker sein Gefährt wieder auf die eigentlich Fahrbahn zurück zu bringen und er konnte die freie Fahrt genießen, da der Radler ja überholt war.

Fazit

Brauchen wir wirklich immer eine andere Infrastruktur oder sind Sperrpfosten nur nötig, weil das Verhalten derer, die am Verkehr teilnehmen oft nicht Regelkonform ist?

Sicher, es gibt Stellen an denen kann man durch Wegeführung oder Trennung der Verkehrsmittel Verbesserungen erreichen. Dennoch zeigen meine zwei Beispiele wo, zumindest aus meiner Sicht, der Hund begraben liegt. Radfahrer werden selbst in Wohnstraßen mit Tempo 30 nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer anerkannt. Der Drang zum Überholen oder die Unkenntnis über gültige Regelungen provoziert Handlungen, die ein nicht unerhebliches Gefahrenpotential mit sich bringen. Daran ändert auch die beste Baumaßnahme nichts. Sperrpfosten könnte man übrigens an Rad- und Fußwegen entfernen, wenn dann nicht auch andere Fahrzeuge in den Bereich einfahren würden.

Dennoch es gibt Stellen an denen die Änderung der Wegeführung Sicherheit bringt. Dies wurde mir zuletzt beim Ride-of-Silence bewusst, bei dem wir in diesem Jahr ein Ghostbike besuchten, das an einer solchen Stelle in Augsburg stand. Hier wurde bereits reagiert und entsprechende Maßnahmen wurden umgesetzt.

Ride of Silence
Ride of Silence

Zum Glück musste dieses Jahr in Augsburg kein weiteres weißes Fahrrad aufgestellt werden, da es keine tödlichen Unfälle mit Radlerbeteiligung gab und es blieb beim Gedenken an die in den Vorjahren verunglückten Radfahrer. Wie viele Unfälle mit Todesfolge bzw. schwerst verletzten Autofahrern im Stadtgebiet es in diesem Jahr gab weiß ich nicht, aber es waren definitiv ZU viele. Auch hier wäre es in meinen Augen angebracht, sich Gedanken zu machen ob Mobilität solche Opfer Wert ist und wie man einige dieser Opfer vermeiden kann.

4 thoughts on “Ein Interview im Fernsehen und von der notwendigen Infrastruktur”

  1. Da sprichst du mir aus der Seele, dass Radfahrende nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer* , sondern als lästige Insekten, die man am liebsten totschlagen möchte, wahrgenommen werden. Das merkt man schon an den überraschten Blicken, wenn „plötzlich“ ein Mensch auf dem Rad um die Ecke kommt, rechtlich legitimiert, aber für die Autofahrenden „überraschend.“ Bin letzte Woche auch übelst 2x angeschrieen worden, weil ich vor einer Autofahrerin fuhr und sie nicht vorbei konnte. Mein sachlich, laut deutlich vorgetragenes Argument, dass die Benutzungspflicht des Radweges aufgehoben sei, interessierte diese Idiotin nicht. Zu oft sind diese Verletzungen schon passiert, ich weiß nicht, wie lang ich diese Dummheit in D. noch aushalte.Und ja, das Auto ist zu sehr in allen Köpfen drin. Als ich mal bei einer Rechtsanwältin und einmal bei einer Arztpraxis anrief, wurden mir sofort ungefragt Hinweise auf Parkplätze gegeben. Wow, 3 m lange Bretter mit dem Lastenrad transportiert… das Auf und Absteigen ging aber nur mit Hilfe, sprich, dass jemand erst abgeladen hat, dann konnte die Fahrerin absteigen.Noch eine neugierige Frage zum 10 kg -Roggen-Einkauf: was macht man damit? Brot backen?

    1. Das mit dem Auf- und Absteigen ging tatsächlichen problemlos, da der Zweibeinständer beim Anfahren einklappt. Die Vermutung, dass der Roggen für Brot notwendig ist trifft voll ins Schwarze. Carola bäckt seit Jahren unser Brot selbst, meist im eigenen Holzofen.

      Gruß aus Augsburg

  2. Hallo Andreas, danke für die durchaus amüsanten und traurigen Ausführungen. Als LKW Fahrer und Load Fahrer erlebe ich solche Sachen auch, leider, deutlich öfter wenn ich mit dem LKW unterwegs bin. Solche Leute, die einem da so beschimpfen, die beschimpfen denke ich alle die ihnen gerade nicht passen. Manchmal ärgert es mich dass ich beschimpft werde. Ganz lustig aber fand ich die Aussage eines PKW Lenkers, dem ich offensichtlich deutlich zu langsam gefahren bin und er mir dann auf die Baustelle gefolgt ist, ich dürfe natürlich fahren, aber wenn schon hier in „seiner“ Gegend dann gefälligst hinter ihm. Ich habe ihm zugestimmt und gesagt ich werde mich in Zukunft bemühen.
    40kg Getreide fahre ich auch des Öfteren nach Hause, aber 3m lange Kanter habe ich noch nie geradelt. Lustig finde ich es, dass man mit jeder Transportaufgabe über sich und sein Cargo Bike hinaus wächst. Man wird mit der Zeit immer mutiger und sicherer was sperrige Güter anbelangt. Und über so manches Kopfschütteln muss man ganz cool hinweg schauen.
    Lg Rudi

  3. Am schlimmsten empfinde ich weniger die Aggressivität der motorisierten Verkehrsteilnehmer, sondern deren Gedankenlosigkeit, verbunden mit mangelnder Aufsicht durch die Polizei. N a t ü r l i c h stellt man sein Auto auf der Radspur ab, weil man „ja nur mal schnell“ zum Geldautomaten (zur Apotheke, zum Bäcker, …) muss. N a t ü r l i c h bleibt man auf der Radfahrer-Furt stehen, wenn man in die querende Hauptstraße einbiegen will – obwohl man diese ebensogut einsehen könnte, wenn man davor anhält.

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