Kälte im Februar eine Herausforderung ohne Auto?

Februar 2018 – der kälteste Monat seit wir ohne Auto unterwegs sind

Im Februar lagen die täglichen Tiefstwerte immer unter 0°Celsius. Doch ab der zweiten Hälfte bewegten sich auch die Höchsttemperaturen nicht mehr über den Gefrierpunkt hinaus. Saukalt aber trocken, das war ab dem 17. des Monats Standard. Das Thermometer zeigte immer noch tiefere Werte und erreichte am 27.2. mit -18° Celsius den tiefsten Wert in Augsburg seit langem. Das Radfahren bei zweistelligen Minustemperaturen war in den letzten zwei Wochen tägliches Brot. Die kalte Witterung hatte aber durchaus schöne Seiten. Der vorher gefallene Schnee blieb endlich einmal wieder eine Weile liegen und die Straßen waren trocken, so dass die Räder nicht übermäßig schmutzig wurden. Auch zeigte sich fast täglich die Sonne am blauen Himmel, was die Bewohner eines Sonnenhauses natürlich besonders freut. Die Photovoltaik-Anlage lieferte ausrechend Strom für den Haushalt und die Räder, so dass wir weniger als 50% unseres Stromes zukaufen mussten und dank der Solarthermie war für Warmwasser und angenehme Raumwärme gesorgt.

Temperaturen in und um das Haus

Aber das Thema soll ja eigentlich Mobilität sein. Eigentlich haben wir auch in diesem Monat unsere gesamten Wege mit den Lastenrädern zurückgelegt. Nur 5% der gefahrenen Strecken gehen zu Lasten des Carsharing-Fahrzeugs. Und es wäre gelogen wenn ich behaupten würde es war immer angenehm. 

Wie hält man sich warm?

Da man mit einem eBike problemlos konstant 25 km/h fahren kann ohne sich anstrengen zu müssen, entsteht bei niederen Temperaturen in Verbindung mit dem Wind zu wenig körpereigene Wärme um dies auszugleichen. Schwitzen ist aber auch nicht besonders hilfreich, gerade wenn im Stadtverkehr rote Ampeln immer wieder einen Stopp erfordern. Gesicht und Hände sind in meinem Fall besonders empfindlich. Durch eine Reduktion der Unterstützung kann man auf dem Rad quasi die Heizung nach oben regulieren. Das hat mir aber an den Fingerspitzen auch nicht mehr geholfen. An den kältesten Tagen sah das Wäscheprogramm etwa so aus:

  • zwei paar Socken (davon 1 Paar selbstgestrickte aus Schurwolle)
  • lange Unterwäsche
  • langärmliges Shirt
  • Pullover
  • Softshell-Jacke und Hose
  • Anorak
  • Tuch für Mund und Nase
  • zweites Tuch für den Kopf
  • zwei paar Handschuhe

Stoff gegen Kälte

Sonnenaufgang

Auf dem Weg in die Arbeit bin ich täglich mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt worden. Das sind die schönen Seiten des kalten und trockenen Wetters. Nachdem ich, wenn möglich, verkehrsarme Routen nutze, ist es abseits von Straßen immer möglich kurz anzuhalten und das Naturschauspiel zu genießen. 

Sonnenaufgang

Probleme mit den eBikes?

Mit genug Textilien waren die Temperaturen für uns gut auszuhalten, aber wie ging es den Rädern? Natürlich war die Akkureichweite etwas geringer als sonst. Die Alltagswege, die sich immer so zwischen 20 und 30 Kilometer bewegen, waren dennoch problemlos zu bewältigen. Das Load hat seinen Dienst trotz der eisigen Temperaturen immer gut verrichtet, einzig das Akkuschloss hat wohl ein wenig Wasser abbekommen. Bei -10°C konnte ich den Schlüssel nicht mehr in das Schloss stecken, zum Glück ist das zu Hause passiert und der alte Haarföhn leistete gute Dienste. Nach drei Tagen Warmluft am Abend war der Spuk vorbei.. Beim Packster, das den Namen Jolly trägt, kam es öfter zur Mutation in Richtung Fixi, da die Kettenschaltung eingefroren war. Auch hier ließ sich mit dem Föhn Linderung erzielen.

verschneite Wege

Anfang März und es wird wärmer

Langsam geht das tolle Winterwetter in graues Schmuddelwetter über. Am Samstag waren wir unterwegs um einige Besorgungen zu machen. Dabei ist mir mal wieder bewusst worden, welche Veränderungen in unserer Heimatstadt in den letzten Jahren stttgefunden haben. So hat sich ein Industrieviertel, das so genannte Textilviertel, komplett verwandelt. Alles ist zwar noch nicht fertig, aber die alten Industriebauten wurden toll in den neu entstandenen Stadtteil integriert. An solche Orte kommt man allerdings nur mit dem Rad oder zu Fuß.

Andere Besorgungen waren natürlich auch fällig. Denn auch unsere Haustiere, zwei Kaninchen, benötigten während der Kältewelle mehr Füllmaterial für ihren Stall. Und noch etwas haben wir getan. Erneut haben wir einen Bio-Supermarkt ohne SUV aufgesucht, auch wenn ein Leser des Beitrags „Einkaufen ohne Auto“ meinte, das dies kaum möglich ist :-).

 

 
Radpflege im Sonnenschein

Heute war es schon richtig frühlingshaft. Die Kältewelle scheint überwunden und so machte es richtig Spaß in der Sonne unsere beiden Räder vom Schmutz und Salz der letzten Tage zu befreien. Nach einer Stunde Arbeit kann sich das Ergebnis sehen lassen, wie ich finde.

Load und Jolly nach dem Pflegeprogramm

Fazit

Braucht man bei eisigen Temperaturen ein Auto, oder ist der Alltag ohne Auto temperaturabhängig. Ich denke in unserem Fall ist die Frage klar mit „nein“ zu beantworten. Die fast 1200 km, die wir trotz der Witterung mit den Rädern zurückgelegt haben, sprechen eine andere Sprache. Natürlich ist es angenehmer bei milder Witterung mit dem Rad unterwegs zu sein, aber als Herausforderung würde ich die letzten zwei Wochen nicht betrachten.

6 thoughts on “Kälte im Februar eine Herausforderung ohne Auto?”

  1. Die Kälte war sehr wohl eine Herausforderung. Ich fahre auch fast alle Alltagswege mit dem Rad. Aber vergangene Woche bin auch ich kapituliert und mit dem Rad dann zur nächsten U-Bahn-Haltestelle gefahren (kein Lastenrad). Der Wind ließ alles noch mal kälter erscheinen, Kopfweh kam trotz dicker Mütze dazu. Ob es auch am Trinken gelegen hat? Die Luft war trocken und kalt, man spürte wenig Durst.

    1. Bei mir waren es nur die Fingerspitzen. Trotz mehrer Handschuhe und einmal sogar mit Wärmepad. Jetzt sollte es aber bei leichten Plusgraden wieder deutlich angenehmer sein. Danke für Deinen Kommentar.

  2. Danke für diesen -wie eigentlich immer- schönen Beitrag.
    Ich gestehe, dass ich letzte Woche vor den minus zehn Grad kapitulierte und mein Liegerad stehen ließ.
    Ansonsten bin ich aber den Winter durchgeradelt und finde, dass der Körper sich auch gut daran gewöhnt, wenn die Kleidung genügend Schutz bietet.
    Ich habe mir hier immer mal wieder Inspiration geholt, um nicht schwach zu werden.
    Weiter so!

  3. als „Ganzjahres-Freizeit-Fahrer“ habe ich in der Woche vom 26.2. bis 2.3.18 auch kapituliert. Sowohl wegen der Fingerspitzen, wie Andreas, aber auch wegen tränender Augen, die sich mit dem Nordost-Wind überhaupt nicht anfreunden konnten. Aber sonst bin ich auch der Meinung, daß der Winter, zumindest in unseren Breiten am Oberrhein, kein Bike-Hindernis darstellt.

  4. Ich friere zwar auch recht schnell, aber wenn der Körper durch sportlichen Fahrstil auf dem Rad erstmal aufgeheizt ist, geht es ganz gut. Meine Strecke zur Arbeit (12 km) hat zum Glück auch nicht viele Zwangsstopps durch Ampeln. Allerdings habe ich sie auch darauf optimiert und fahre viel Abseits vom motorisierten Verkehr. So reichte mir ein langes Oberteil und eine Softshell-Jacke darüber, eine kurze Radhose die mit Knielingen und Skistrümpfen verlängert wurde, eine dünne Haube unterm Helm, Radbrille, normale Skihandschuhe und Überschuhe über den relativ luftigen MTB-Radschuhen. Tiefsttemperatur war laut Radcomputer -11°C.

    Schön finde ich auch, dass man endlich mal unverschwitzt am Ziel ankommt.

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