Plötzlich keine Vorfahrt und nach Jahren mal wieder beim Tanken

(-Werbung, da Verlinkung auf Unternehmen und Produktnennung -)

Das mit der Vorfahrt

Da fährt man nahezu täglich die selbe Route in die Arbeit und plötzlich gelten andere Regeln. Es ist faszinierend wie man sich an etwas gewöhnt, oder Veränderungen einfach ausblenden kann. Was ist passiert?

Die Stadt Augsburg hat, mittels Verkehrszeichen, dem rechts abbiegenden KFZ-Verkehr Vorfahrt vor den geradeaus fahrenden Radlern eingeräumt. Hierbei handelt es sich um eine Seitenstraße in einem Industriegebiet, die zu einer Tankstelle und einem Schnellrestaurant führt.

Das neue Schild
Das neue Schild

Neben mir fuhr, auf der Rechts-Abbiege-Spur, ein LKW auf gleicher Höhe. Da mir an dieser Stelle die Vorfahrt bereits häufig genommen wurde, und ich mich ungern mit LKWS anlege, habe ich verzögert. Der LKW-Fahrer bremste ebenfalls und hupte kurz darauf. Gefahr bestand eigentlich keine und so hielt ich an, um zu klären warum er sein Horn betätigt hatte. In nettem Tonfall, das habe ich auch schon ganz anders erlebt, meinte er, dass er Vorfahrt habe. Ich fiel aus allen Wolken, rechts abbiegen und Vorfahrt? Doch er hatte recht. Durch das neu angebrachte Verkehrszeichen am Radweg ist das wirklich aktuell so geregelt. Als Radfahrer muss man jetzt an dieser Stelle tatsächlich dem abbiegenden Verkehr die Vorfahrt einräumen. Aus meiner Sicht völlig inakzeptabel, da es jeder Logik entbehrt, als Radler, welcher der Vorfahrtsstraße folgt, abbiegendem Verkehr den Vorrang zu geben. Daher habe ich am Abend die Situation zusammengefasst und per Email an den Radverkehrsbeauftragten der Stadt Augsburg gesandt. Ich bin schon auf die Antwort gespannt.

Die Stelle
Die Stelle

Wenn ich an unserer Fahrt durch Holland denke und diese Regelung mit der dortigen Radverkehrsführung vergleiche, erscheint es noch verrückter. Dort waren Radfahrer sogar vorfahrtsberechtigt, wenn der Radweg die Straßenseite wechselte, also quasi ein Zebrastreifen für Radfahrer.

Nach Jahren wieder beim Tanken

In der vergangenen Woche waren Carola und ich zwei Mal beim Tanken, und das obwohl wir keinen Meter Auto gefahren sind. Ein Auto wird an dieser Tankstelle auch nicht benötigt, obwohl wahrscheinlich auch nicht viele mit dem Fahrrad kommen.

Unsre Entdeckung - eine Tankstelle für die man kein Auto braucht
Unsre Entdeckung – eine Tankstelle für die man kein Auto braucht

Nachdem wir schon eine ganze Weile nach einer erreichbaren Milchtankstelle gesucht haben, sind wir in der vergangenen Woche fündig geworden. Mir macht es richtig Spaß die Milch direkt beim Erzeuger kaufen zu können. Aktuell zum Preis von € 1.- je Liter. Somit hat Carola jetzt die Möglichkeit den in unserer Familie heiß begehrten Rohmilchkäse zu machen. Erste Gehversuche mit indischem Paneer verliefen schon erfolgreich. Das zur Herstellung von anderen Käsesorten benötigte Lab ist allerdings nur im Internet erhältlich, so dass die „Großproduktion“ noch warten muss.

Die Zapfsäule liegt nur sechs Kilometer von uns zu Hause entfernt, also mit dem Rad kein Problem. Neben Milch kann man dort auch rund um die Uhr Eier und Käse erwerben. Eine tolle Sache wie ich finde.

Milch zum mitnehmen
Milch zum mitnehmen

Die Milchtankstelle in Bergen bei Mühlhausen und die Homepage der Familie Lichtenstern vom Matzerhof.

6 thoughts on “Plötzlich keine Vorfahrt und nach Jahren mal wieder beim Tanken”

  1. Hallo Andreas,

    diese „Vorfahrtsregelung“ ist in der Tat ein Unding. Allerdings wundere ich mich, in welch seeliger Stadt Du bisher gelebt hast. Hier in Nordrhein-Westfalen ist das flächendeckend so beschildert. Auf Landstraßen ist das Standard und in meiner Heimatstadt Mönchengladbach gibt es diese merkwürdige Regelung an vielen Stellen so lange ich denken kann. Ich bin damit groß geworden.

    Allerdings frage ich mich schon, ob die Auslegung, dass Autofahrer hier Vorfahrt im Sinne des Gesetzes haben, überhaupt zutrifft. Es gibt an diesen Stellen zwar ein Schild „Vorfahrt gewähren“ für Radfahrer, aber kein Vorfahrtszeichen für Autofahrer !

    Die Auslegung eines Vorfahrtsrechts für Autofahrer könnte ein unzulässiger Umkehrschluß sein. Hinzu kommt, dass das „Vorfahrt gewähren“ für Fußgänger ja nicht gilt. Für einen Fußgänger müsste ein rechts abbiegender Autofahrer also gemäß StVO anhalten. DAS habe ich aber noch nie gesehen.

    Man könnte es also so auslegen, dass hier im Falle einer Begegnung eigentlich alle anhalten müssten und sich dann über die Reihenfolge der Weiterfahrt zu verständigen haben. Sowas funktioniert in Deutschland selbstverständlich nicht.

    Am Ende dient das Ganze dem üblichen Zweck, den Radverkehr zugunsten des Autoverkehrs auszubremsen. Die Amtslogik: Wenn diese Radler sowieso immer anhalten müssen, kann es ja keine Abbiegeunfälle mehr geben.

    Das ist seit Jahrzehnten so und wird sich auch nicht ändern. Der Tanker Deutschland ist nicht reformierbar. Man kann ihn wohl nur gegen die sprichwörtliche Wand fahren lassen und dann wieder bei Null anfangen.

    … Falls es beim Thema Klimawandel/Verkehrswende die Chance für so einen Neuanfang geben sollte …

    Ja es stimmt, denke ich an Deutschland bin ich Pessimist.

    Viele Grüße

    Marcus

  2. Echt krasse Regelung. Allerdings gibt es nicht nur in Österreich diese Nette Angewohnheit vor jeder Einmündung ein Radweg-Ende aufzustellen.:-(

    1. Genau darum geht es ja. Die durch das Anbringen des Zeichens getroffenen Regelung schafft für alle Verkehrsteilnehmer nur Unsicherheit, stiftet Verwirrung und ist dadurch gefährlich. Im Übrigen gehört es für mich zum guten Miteinander mich Regelkonform zu verhalten, leider habe ich den Eindruck, dass etliche andere Verkehrsteilnehmer die geltenden Regeln nicht kennen. Würden sie es tun, müsste ich unterstellen sie missachten diese bewusst. Die Art mit welchem Verkehrsmittel diese unterwegs, sind scheint egal zu sein.

Kommentar verfassen