Winterreifen vs. Spike-Reifen

An diesem Wochenende habe ich, nach Sichtung des Wetterberichtes für die kommende Woche, beschlossen unsere Lastenräder wieder von ihren Winterreifen zu befreien. Für den Winter hatte ich das Packster mit Spike-Reifen und das Load mit Winterreifen ausgestattet. Nun ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen.

Lohnt sich die Umrüstung auf Winterreifen überhaupt?

Auf dem Load fahre ich bereits den dritten Winter mit einem grobstolligen BMX-Reifen auf dem Vorderrad, da es für 20′ Räder keine speziellen Winterreifen gibt. Hinten nutze ich den Conti Top Contact Winter II. Diese Kombination ist auf Wegen mit Schnee oder Schneematsch den profilarmen Sommerreifen klar überlegen. Dies gilt an Steigungen, in Kurven, aber vor allem beim Bremsen. Daher rentieren sich Winterreifen für Alltagsradler auf jeden Fall.

Als ich das Packster, zu Beginn des Winters, mit den Spikes versehen habe, war ich mir nicht sicher ob sich das lohnt. Die vergangenen Winter waren eher schneearm und meist frostfrei. Rückblickend betrachtet war die Umrüstung sinnvoll.

Winterreifen vs. Spike-Reifen

Kalte Straßen, nasser Boden und ab und zu etwas Schneematsch, da ist der Winterreifen voll in seinem Element. Gegenüber den normalen Fahrradreifen zeigen sich hier, nach meiner Erfahrung, klare Vorteile. Auch auf einer geschlossenen Schneedecke kommt man mit etwas Fahrrad-Routine gut zurecht. Das ändert sich komplett, wenn der Schnee auf den Straßen festgefahren ist oder sich eine Eisdecke gebildet hat. Auf diesem Untergrund punkten die Spikes. Bis hierhin ist das vermutlich jedem klar.

Wie sieht das aber aus wenn man einen Winter lang täglich mit den jeweiligen Pneus unterwegs ist? In Augsburg war der Winter 2017/18 so schneereich wie lange nicht. Daher mag das eine oder andere Argument in Wintern mit weniger Schnee und Frost anders bewertet werden. Für sich betrachtet haben die Winterreifen keine negativen Aspekte, außer vielleicht ein geringfügig unruhigeres Fahrverhalten aufgrund des Profils. Die Spikes hingegen sind auf freien Straßen verflixt laut. Auch ist auf geteerten Wegen ohne Schnee und Eis die Bodenhaftung schlechter als wenn nur Gummi die Fahrbahn berührt. Gerade bei Notbremsungen, auf trockener Straße,  führt dies zu längeren Bremswegen. 

Für wen lohnen sich die Spikes?

Diese Frage kann ich rein für Alltagsradler im urbanen Umfeld beantworten. In diesem Winter haben sich die „Stachel-Räder“ auf jeden Fall gelohnt, da Carola, aufgrund der Tätigkeit im Schichtdienst,  ihren Arbeitsweg oftmals sehr früh oder spät auch an Wochenenden, zurücklegen muss. Trotz der allgemein guten Räumung der Radwege in Augsburg klappt dies zu solchen Zeiten verständlicherweise nicht immer. Auch ich habe an zwei Tagen wegen vereister Fahrbahnen auf das Packster zurückgegriffen. Wenn man also mit dem Rad bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit unterwegs ist, und auch keine Alternative hat, lohnen sich die Spikes in jedem Fall. Zu „normalen“ Uhrzeiten bin ich auch mit den Winterreifen gut über die kalte Jahreszeit gekommen.

Im optimalen Fall hat man einen zweiten Laufradsatz in der Garage und kann das Rad bei Bedarf kurzfristig umrüsten. Da das Load eine Nabenschaltung besitzt, scheidet diese Möglichkeit von vornherein aufgrund der Kosten aus. Ein eigenes Winterrad ist für uns keine Alternative, da ich grade bei schlechtem Wetter nicht auf den Komfort meines e-Lasters verzichten möchte. 

Nach der Umrüstung auf die Sommerreifen macht es dennoch wieder mehr Spaß mit den Rädern allein oder gemeinsam unterwegs zu sein. Jetzt ist, durch den fehlenden Radau der Spikereifen, auch wieder eine Unterhaltung möglich. Allerdings benötigen wir jetzt wieder häufiger die Fahrradklingel.

2 thoughts on “Winterreifen vs. Spike-Reifen”

  1. Negative Aspekte haben Spikereifen meiner Erfahrung nach einige.

    Ein normales Rad fährt sich damit viel schwerer. Die Spikereifen an meinem Rad (Conti Nordic Spike 240) lassen sich zudem nur sehr schwer in die Kurve zwingen, da sie weniger rund sind als normale Reifen und die äußeren Stollen sehr ausgeprägt, und dort nochmal Spikes drauf sitzen, sie also am Ende eine recht „eckigen“ Querschnitt haben. Das ist bei „zivileren“ Spikereifen weniger ausgeprägt. Schnell durch die Kurven geht auf Asphalt auch schlecht, da die Spikes auf dem Asphalt wenig Halt finden. Liegt Rollsplit auf dem Asphalt (soll ja im Winter durchaus vorkommen) wirds noch schlimmer, hier hoppelt man sogar beim Geradeausfahren auf den Steinchen herum. Die Gummimischung erinnert auch eher an Holzreifen. Das laute Abrollgeräusch auf Asphalt lässt die Klingel arbeitslos werden. Das subjektive Fahrgefühl ist insgesamt ein paar Schubladen tiefer angesiedelt und man kommt spürbar unkomfortabler und langsamer voran.

    Falls die Schutzbleche mit den normalen Reifen recht dicht am Gummi sitzen, muss man beim Aufziehen der Spikereifen evtl. deren Position ändern damit sie nicht schleifen, was je nach Rad gar nicht so einfach ist.

    Am Rad meiner Frau habe ich für diesen Winter neue Marathon Winter montiert. Nach ca. 1000 km sehen die mittleren Spikes schon sehr rund aus, die Wirkung auf Eis dürfte schon stark nachgelassen haben. Die Haltbarkeit ist aus meiner Sicht, je nach Hersteller, auch begrenzt.

    Jedoch bleibt einem in schneereichen Regionen keine andere Wahl, wenn das Fahrrad jederzeit einsatzbereit sein soll. Auch ich fuhr in diesem Winter wieder mit Spikes, und wenn die passenden Bedingungen dafür sind, bieten sie einen ganz eigenen Fahrspaß. Trotzdem war ich heilfroh, dass ich an diesem Wochenende wieder engültig auf normale Reifen umrüsten konnte.

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