Das GSD von Tern – ein Test des Longtails im Alltag

In einem meiner Blogbeiträge habe ich erwähnt, dass das Lastenradfieber auch weitere Mitglieder unserer Familie infiziert hat. Seit ca. einem halben Jahr ist bei meiner Schwester ein Tern GSD („Get Stuff Done“, „Zeug erledigen“) im Einsatz und auf mein Bitte hin hat sie ihre Erfahrungen mit dem Longtail zusammengefasst.

Zwei Kindersitze und auch vorne noch Platz

Technischen Daten

(Quelle: https://www.ternbicycles.com/de/bikes/gsd)

  • Länge: 180cm
  • Radstand: 124cm
  • Motor: Bosch PerformanceLine, 36V/ 250W – 25 km/h (ab Modelljahr 2019 Bosch CX)
  • Akku: Bosch 500W (serienmäßig mit DualBattery-Technik – 1 Akku inclusive)
  • Display: Bosch Purion
  • Schaltung: Shimano Deore 10-fach Kettenschaltung (ab Modelljahr 2019 auch mit Environment N380x Nabe)
  • Laufräder: 20 Zoll, Schwalbe Super Moto-X
  • Naben: Boost Thru-Axle-Naben
  • Bremsen: Vier-Kolben-Scheibenbremse / Magura MT5
  • Zubehör: incl. Packtaschen
  • Gewicht: 28kg – Nutzlast incl. Fahrer 180 kg
  • Faltmaß: 180x40x80 cm
  • Preis: 3.999 €

Praxistest

Tern GSD – Der Pickup unter den Lastenrädern

(von Nadine Müller)

Sehr lange habe ich das recht bunte Lastenrad Angebot verfolgt und doch durfte nie eines bei uns einziehen. Der Grund ist recht einfach: egal ob zwei- oder einspurig – wir haben keinen Platz dafür!

Eher per Zufall bin ich dann vor knapp einem Jahr auf einen Erfahrungsbericht über das Tern GSD gestolpert und war schon begeistert ohne das Rad je in Natura gesehen zu haben. Kaum länger als ein normales Fahrrad, 180kg Nutzlast, Platz für zwei Kindersitze und/oder diverse Plattformträger und Taschen.

Nach langer Wartezeit konnte ich dann endlich im Juni eines der allerersten in Deutschland Probe fahren. Und was soll ich sagen … die im Zuge der Recherche gewachsene Begeisterung hat sich in der Praxis mehr als bestätigt. Das Tern durfte sofort bei uns einziehen!

…die im Zuge der Recherche gewachsene Begeisterung hat sich in der Praxis mehr als bestätigt.

Dank 20“ Rädern fährt sich das Rad sehr spritzig und wendig, der Bosch Antrieb unterstützt perfekt in den 4 Fahrstufen. Das Purion mag dem einene oder anderen zu einfach sein, ich finde es perfekt, da man es nie abstecken muss. Es ist fest verbaut und kann daher nicht entwendet werden. Die Deore Schaltung funktioniert prima (auch wenn ich eigentlich ein Nabenschaltungsfan bin…). Für die nötige Bremskraft sorgen die verbauten Magura Scheibenbremsen, ich empfinde sie als ausreichend giftig – auch mit voller Fuhre. Die Sitzposition ist für mich mit knapp 1,70m super, auch mein Mann, der etwas größer ist, sitzt bequem auf dem Rad. Wer allerdings die 1,90m kratzt, dem kann ich nicht garantieren, dass die Verstellmöglichkeit des Lenkers noch ausreicht. Im Zweifelsfall einfach probieren.

Eingangs hatte ich ja schon erwähnt, dass die Größe – oder eher die „Kleine“ – des Terns meine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflusst hat. Ein weiterer Effekt des kompakten Lasters ist die Möglichkeit den normalen Heckträger eines PKWs zum Transport zu nutzen und so durfte es mit uns schon in den Urlaub reisen! Für einen Transport im Auto kann beim GSD der Lenker abgeklappt werden, so dass es problemlos in jeden größeren Kombi passt.

Gartenwerkzeuge und Faltboxen – Das Tern als Lastenesel

Zubehör

Die beiden mitgelieferten Satteltaschen fassen enorm viel, ein Wocheneinkauf ist kein Problem. Auch wenn wie bei uns zwei Kindersitze montiert sind, kann man die Taschen noch mindestens zur Hälfte nutzen. Es hängt ganz davon ab, in welcher Höhe die Fußrasten für das Kind/die Kinder montiert sind.

….wer vorne Sitzen darf ist immer ein Streitthema..

Als Sitze fahren wir die empfohlenen Thule Jepp Maxi und sind sehr zufrieden damit! Sie lassen sich sekundenschnell (de)montieren da die Ausschnitte am Gepäckträger extra dafür gemacht sind. So braucht es keine Adapter oder ähnliche Fummelei. Wer vorne sitzen darf ist immer ein Streitthema unserer Kinder (1 und 4 Jahre) – aus Gewichtsgründen sitzt aber besser das schwerere Kind vorne, da sonst die ganze Fuhre, wenn sie noch auf dem Ständer steht, sehr hecklastig ist und leichter kippt. Beim Fahren ist das GSD jedoch auch bei voller Beladung stets stabil.

Wir haben zusätzlich die Fußrasten hinten („Lower Decks“) montiert, so können größere Kinder prima selbst aufsteigen und auch die Taschen haben eine stabile Aufstandsfläche. Neben der hinteren Lademöglichkeiten hat uns auch der Plattform-Träger am Steuerohr vorne („Transporteur-Rack“) überzeugt. Dieser hat genau die Abmessungen für eine Getränkekiste oder eine Euro Box, in die man alles mögliche rein schmeißen kann. Wir nutzen ein Modell mit Deckel, sodass dann auch gleich alles vor Regen geschützt bleibt.

Viele nette Details am GSD zeigen, dass sich die Entwickler lange Gedanken gemacht haben. Z.B. hat der Sattel hinten einen stabilen Griff, mit dem man das Term prima über den Mittelständer ziehen kann. Auch dass an dem Transporteur-Rack Anschraubpunkte für weitere Flaschenhalter oder ein Schloss sind ist äußerst praktisch. Ein zweiter Akkuslot ermöglicht bei Bedarf eine Reichweiten Verdoppelung. Nett ist, dass das zur Standardausstattung zählt und man nicht wie z.B. bei Riese und Müller dafür gleich einen Zweitakku zu einem saftigen Aufpreis kaufen muss. So kann man sich bei Bedarf auch einfach einmal einen weiteren Akku ausleihen. In der Praxis hat uns der eine Standard Akku aber bisher immer locker gereicht.

Ein paar Nachteile

Neben all den vielen Vorteile will ich die wenigen Nachteile, die mir einfallen, nicht verschweigen. Klar ist, dass konzeptbedingt nicht der „eine große Laderaum“ vorhanden ist und die Ladung mit mehr „Aufwand“ verstaut werden muss. In eine große Kiste wie bei den Packsters, Loads oder Urban Arrows kann ich einfach alles rein werfen, in die Taschen muss ich es einräumen.

Ein weiterer „Nachteil“ ist, dass durch die kompakte Bauweise alles recht „zugebaut“ ist. Das kennt man auch von Kinderfahrrädern und lässt sich in meinen Augen verschmerzen. Ein weiterer Punkt ist, dass das Tern mit zwei Kindern und Einkäufen beladen sehr hecklastig ist und nicht mehr stabil auf seinem Mittelständer steht. Aber da ich Kinder ohnehin nicht „im Fahrrad sitzen lasse“, lässt sich damit gut umgehen. Schieben ist ebenfalls etwas mühsamer mit viel Gewicht hinten (und keinem vorne), da das Vorderrad dann leicht an Traktion verliert – aber es ist ja ein Fahrrad und keine Schubkarre…

Fazit und eine Warnung

Nach knapp ½ Jahr Praxiserfahrung lassen sich meine Erfahrungen wie folgt zusammenfassen: Für uns, mit unseren eingeschränkten Platzverhältnissen, ist es das perfekte Rad! Wer einen Lastenesel mit geringen Abmessungen sucht, dem kann ich eine Probefahrt nur empfehlen … Aber Vorsicht danach ist das Konto ca. 4.000€ leerer!

Kommentar verfassen