Riese & Müller Load vs. Packster

Ein subjektiver Testbericht unterfüttert mit ein paar Daten

In den letzten vier Wochen hatten wir mehrfach die Möglichkeit ein Packster touring 80 bei der Radstation Augsburg auszuleihen. Einmal in der Ausführung mit dem Basisboard, eine Woche später mit der Kids-box. Daher ist es an der Zeit das etwas günstigere Lastenrad von R&M mit der vollgefederten Variante, dem Load, zu vergleichen.

Achtung Suchtgefahr

Gleich vorab, bei beiden Rädern ist der Fahrspaß, wenn man sich für Lastenräder begeistert, eingebaut und die Suchtgefahr verflixt hoch. Beim Fahren des Packsters kam uns die Erfahrung mit dem Load zu Gute. Für Einsteiger ist die 80cm lange Ladefläche, bzw. die Gesamtlänge der Rades von über zwei Meter auf den ersten Strecken sicher eine Herausforderung.


Technische Daten

 

Packster Touring 80 

(Modelljahr 2016)

Load NuVinci

(Modelljahr 2016)

Motor

Bosch Drive Unit Performance Cruise, 25 km/h

Akku

Bosch PowerPack 500 Performance, 36 V, 13,4 Ah/500Wh

Schaltung

Shimano Deore,

10-Gang-Kettenschaltung

NuVinci N380, stufenlose Nabenschaltung

Display

Bosch Intuvia

Bosch Nyon

Bremsen

Tektro Dorado, hydraulische Scheibenbremse

 

Laudfradgröße

vorn: 20‘‘   hinten: 27,5‘‘

vorn: 20‘‘   hinten: 26‘‘

Federweg

vorn: 60mm   hinten: —

vorn: 60mm   hinten: 80mm

Gewicht

36,5kg (Basisboard)

34,8kg (ohne Zubehör)

Zul. Gesamtgew.

200kg

Radstand

207,5cm

184cm

Aufbau

Kids-Box

Hohe Seitenwände mit Persenning oder Faltbox

Quelle: Riese & Müller 2017


Fahren im Alltag

Als erstes fällt auf, dass das Packster (ohne die große Box noch mehr) trotz seiner Größe sehr spritzig ist. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass ich mit dem Rad kaum von der Stelle komme, doch ein Blick auf das Display zeigte mir, dass ich die maximale Unterstützungsgeschwindigkeit (25km/h) bereits erreicht hatte. Nachdem beide Fahrräder nahezu das gleich Gewicht haben, ist vermutlich die fehlende Hinterradfederung und/oder die Schaltung beim Packster der Grund für die bessere Beschleunigung. Geschwindigkeiten jenseits der Unterstützung, auch bei niedriger Unterstützungsstufe (Tour), werden beim Packster müheloser und häufiger erreicht als beim Load. Dagegen besticht das Load durch seine Federung auf unebenen Wegen (Innenstadt mit Kopfsteinpflaster). Wobei auch die ungefederte Variante durch das große Hinterrad und die Ballonreifen einiges an Unebenheiten dämpft.

enge Kurven werden zur Herausforderung

Auf engen Wegen oder bei Hindernissen ist das kürzere Load klar der Gewinner. Auch Geländer an Bahnübergängen lassen sich mit dem kleineren Lastenrad souverän umfahren. Beim Packster benötigt man, gerade mit der Kids-Box, doch einiges an Übung. An manchen Stellen ist es gar nicht möglich.

das Packster wirkt spritziger, das Load ist der Cruiser

Wie bereits erwähnt, fährt sich das Packster etwas spritziger. Mit dem Load dagegen lässt es sich hervorragend cruisen ohne dabei langsam zu sein. Durch die etwas unterschiedlichen Eigenschaften haben beide Modelle ihren Reiz und ich könnte hier keine endgültige Entscheidung für das eine bzw. für das andere Rad treffen.

Wertung Fahren im Alltag

 

Packster

Load

Fahrspaß

 +++   +++

Wendigkeit

 ++  +++

Ladekapazität

Load und Packster

20cm mehr Ladefläche beim Packster bieten natürlich auch mehr Raum. Die Kiste ist einfach riesig. Auch die Flexibilität der Box (Mittels Spanngurt lassen sich die Seitenteile einfach abbauen) der Box verschaffen dem „Langen“ Pluspunkte bei der Ladekapazität. Beim Load ist die Ladefläche durch die seitlichen Rohre klar definiert, allerdings lassen sich größere Güter problemlos auf die Oberrohre legen, evtl. mit zusätzlicher „Ladefläche“. Die vorhanden Rohre lassen sich dabei hervorragend als Zurrpunkte für Spanngurte nutzen.Das setzt allerdings die Faltbox voraus. Bei der Box mit hohen Seitenwänden ist dies nicht möglich und der Ausbau der Teile benötigt etwas Zeit und Werkzeug. Hinsichtlich der maximalen Zuladung sind beide Räder gleich auf. Nutzt man das Lastenrad als Kindertransporter,  ist das Packster aufgrund seiner Breite ab zwei Kindern der Favorit. Gerade wenn diese bereits etwas größer sind und auch Kinder-Zubehör transportiert werden muss. Der Sitzkomfort ist, trotz fehlender Federung beim Packster, mit einem mitgelieferten Sitzpolster identisch, wie unsere Testbeifahrer auf Nachfrage bestätigten.

Maße der Ladeflächen

Load:       Breite 47cm (breite Stelle) 40cm (schmale Stelle); Länge 60cm

Packster: Breite 67cm (breite Stelle) 63cm (schmale Stelle); Länge 80cm

Boxabbau

Der Abbau bzw. der Aufbau der Seitenwände ist mit dem Zurrgurt in ein paar Minuten und ohne jegliches Werkzeug erledigt. Wenn man unterwegs die Ladefläche verändern muss, ist dies ein großer Vorteil beim Packster.

Wertung Ladekapazität

 

Packster

Load

Flexibilität

 +++   ++

Zuladung

 +++   +++

Befestigung

 ++   +++

Raumangebot

 +++   ++

Optik

Reifentransport (nicht die eigenen :-))

Aus meiner Sicht ist das Load die Optik betreffend in sich stimmiger. Mit dem Basisboard ist das Packster sehr lang und schmal und wirkt dadurch irgendwie endlos. Als dann die Kiste montiert war erinnerte mich das Ganze zunächst stark an ein Kindersegelboot. Wobei man zugeben muss, dass im Verlauf der letzten Wochen ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten ist und mir der Gesamteindruck des Packsters zunehmend besser gefällt. Auch kommt mir das Load mittlerweile fast schon klein vor. Dennoch bleibe ich bei meiner Aussage, dass für mich das Aussehen des Loads in sich stimmiger ist. Die Frauen der Familie finden beide Räder sehr chic.

Wertung Optik

 

Packster

Load

Optik

 ++(+)   +++

Frauenwertung in ()


Fazit

Eigentlich gibt es für mich keinen klaren Favoriten. Das Load mit seiner Vollfederung ist im Alltagseinsatz aus meiner Sicht der Allrounder. Ladefläche ist genug vorhanden und es fährt sich auf jedem (urbanen) Untergrund hervorragend. Auch Engstellen lassen  sich meist gut meistern. Demgegnüber ist die Ladefläche beim Packster sagenhaft. Auch die „Spritzigkeit“ des Lasters überrascht. Durch die hervorragende Beschleunigung und die Tatsache, dass man häufig ohne Unterstützung (>25 km/h) unterwegs ist, erweitert sich der Aktionsradius. Natürlich gibt es neben den beiden Modellen von Riese & Müller noch eine ganze Reihe anderer Lastenräder auf dem Markt. Da die Bedürfnisse der Nutzer sehr unterschiedlich sind gibt es nicht DAS LASTENRAD.


 Bildstrecke

24 thoughts on “Riese & Müller Load vs. Packster”

  1. Danke für den Bericht 🙂 Fahre gerade ein Packster und zur Erweiterung überlege ich noch Packster oder Load. Ist nicht einfach…

    1. Gerne, wir finden beide Räder klasse. Nachdem wir die lange Version des Packsters haben bin ich manchmal über das wendige Load ganz froh. Viel Spaß bei der Auswahl. Bin gespannt was es wird.

  2. Danke für den Bericht,schön geschrieben
    LG aus Nordhessen
    Michael John
    Noch habe ich keins von beiden werde aber sicher bald zuschlagen ,gehöre zur Selbstbau Fraktion bzw habe auch ein Haibike
    aber so ein Lasti kann einen schon den Kopf verdrehen

  3. Dieser Blog hat mich nun überzeugt. Will mich nun von meinem über 20 Jahren alten V70 Volvo trennen und wieder aufs Rad wechseln. Bisher hatte ich ein Auge auf Bullit, weil eben irgendwie cool. Bestimmt nicht so komfortabel wie R&m. Kinder sollen keine rein, jedoch mein Hund (Kniehoch). Vor allem dann, wenn der Verkehr es erfordert.
    Zunehmend tendiere ich zum Load … oder doch Packster?! Ist echt schwer, die richtige Wahl zu treffen. Was mich gerade abhält ist die Qual der Wahl und der Preis.

    Danke für die tollen Beiträge … ich muss weiter lesen 🙂

    1. Vielen Dank für den netten Komentar und das positive Feedback. Das mit dem Preis stimmt schon und die Wahl ist auch nicht leicht. Egal wie sie ausfällt, wenn es ein Lastenrad wird, dann war es in jedem Fall die richtige Entscheidung. Und immer an die nachhaltige Freude denken. 😉

    2. Es wurde ein Packster 60 – knapp 2 Monate, 600 km. Ein tolles Gerät. Was mir nicht gefällt ist die Persenning. Diese lässt sich nicht falten. Also auch schwer mitnehmen, weil sie über steht.

      1. Hallo Jürgen, Glückwunsch. Wir haben bei unserem Packster 80 einfach die Stäbe aus der Persenning entfernt. Klappt genauso und man kann das Teil zusammenrollen.

  4. ich bin beide je in der HS Variante zur Probe gefahren und konnte von Schwierigkeiten beim Handling nichts bemerken, alles total easy, obwohl ich mir 8 Wochen vorher das Sprunggelenk gebrochen hatte. Es ging gut bergan und ich konnte mir trotz kuehlen 0 Grad bei gut 30km/h das Grinsen nicht verkneifen. Leider werden die genialen Teile nicht mit Rohloff angeboten, sonsten haette ich schon eins. Wird wohl das Load, ob in kurz oder lang wird sich ueber kurz oder lang zeigen…. 🙂

    1. Hallo, das geht mir auch so! Aber: es soll mit Rohloff kommen – hoffentlich und vielleicht schon zum kommenden Modelljahr. Mein R&M-Händler hat im letzten Jahr so viele R&M-Räder mit Rohloff-Schaltungen verkauft wie noch nie zuvor. Und die meisten Bikes im R&M-Portfolio bieten die Option an. Es ist also eine Frage der Zeit und im Netz geistern bereits die ersten Fotos von einem roten Load mit Rohloff-Schaltung und Gates-Riemen herum. Also, es bleibt spannend und die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist meine absolute Traumkombi und sobald es wahr ist, freue ich mich auf einen erneuten Besuch bei meinem R&M-Händler.

      1. Hallo, die Fotos vom roten Load sind auch von mir. Ich bin es Anfang Juli gefahren. Es wird ein Load mit Riemen und auch mit Rohloff-Schaltung geben. Bestellen kann man es ab September und ab November 2019 wird es bei den Händlern zu sehen sein. Es fährt sich übrigens toll. Mehr über das Load habe ich im Beitrag zu den Urban Mobility Days geschrieben.
        Gruß Andreas

        1. Super, danke dir für die präzisen Infos! You made my day! Ich kann es kaum erwarten. Jetzt muss ich mal deinen Bericht lesen…es ist so schön, dass es so tolle, ausgefuchste Dinge wie eine Rohloff gibt und die Menschen (zugegeben die, die es sich leisten können/wollen) immer mehr auf diese Art von Qualität beim Fahrradkauf achten. Beste Grüße

        2. Ich habe mich durch deine tolle Seite geackert. Was für ein Engagement! Danke für die vielen Infos, Eindrücke und Bilder. Das Lesen macht wirklich Spaß. Weiter so! Ich weiß gar nicht, warum deine wunderbare Seite bei mir bisher noch nicht im Browser war. Nun wird sie gespeichert und ich freue mich auf die nächsten Beiträge. Danke für das Vergnügen!

  5. Sehr schöner Blog,

    lese mich auch gerade ein, vor allem um über das Packster und das Load mehr zu erfahren. Wir interessieren uns sehr für die 75/80er Versionen der beiden Lastenesel. Das Rad soll definitiv auch das Auto ersetzen und den Aktionsradius ohne Auto auch für die Frau erhöhen. Schlussendlich möchte ich mit meiner Familie auch mal ein paar längere Touren fahren, mit Kind und Kegel. Das hab ich bis dato immer mit dem Crosser/MTB mal gemacht und die Kleine auf dem Oberrohr oder im Hänger transportiert, aber in der doch stellenweise hügeligeren Wetterau ist das selbst für mich als doch recht sportlicher MTBler zu nervig. Und im September kommt das zweite. Dann wird es noch enger und anstrengender 😂

    Persönlich finde ich das Packster um einiges schöner. Die Konstruktion ist recht clean, das Load sieht irgendwie nicht ganz so schnittig aus.

    Beim Packster wiederum vermisse ich den dritten Sitz in der langen Version und das Verdeck ist gegenüber dem für das Load auch eher spartanischer Natur. Aber das zieht sich eben durch: es ist puristischer.

    Meine Frage ist eigentlich:
    Habt ihr seit der Anschaffung des Packsters eine insgesamt andere Meinung gebildet? Vielleicht einen klareren Favoriten gefunden? Vor- und Nachteile?

    Ich schwanke echt noch stark, aber immerhin ist meine Frau jetzt Feuer-und-Flamme und ich kann es kaum erwarten, alles endlich etwas entspannter und spontaner mit dem Rad zu erledigen. Die Karre nervt ungemein.

    1. Hallo Björn,

      mir geht es hinsichtlich der optischen Eindrücke genau umgekehrt. Ich finde das Load wirkt eher sportlich wo hingegen das Packster mit der Kiste eher wie ein Boot auf Rädern aussieht. Aber das ist ja Geschmacksache.
      Kindertransport im klassischen Sinn war bei uns nie ein Thema, denn bei der Anschaffung unseres ersten Lastenrades waren beide schon aus dem Alter raus. Daher hatten wir auch nie ein Kinderverdeck.
      Das Packster besticht einfach durch sein Ladevolumen. Bei der 80cm Variante lässt sich die Sitzlehne auch mit etwas Abstand zum Ende der Box einbauen, so dass hinter den Kindern noch Laderaum übrig bleibt. Das Verdeck vom Packster 60 und 80 ist das gleiche. Daher endet das Dach auch auf Höhe der vorderen Sitzbankposition. Das Packster gibt es auch mit Gatesriemen. Hinsichtlich der Wartung ein echter Pluspunkt.
      Das Load hingegen als Fully ist gerade bei Touren ein tolles Rad. Evtl. Ist die Federung auch ein Argument für den Transport von kleinen Kindern in der Babyschale.
      Aber wie man es auch dreht, beide Räder sind klasse. Das ist auch der Grund warum beide Varianten bei uns Einzug gefunden haben. Ich hoffe Ihr trefft für Euch die richtige Entscheidung. Wäre schön zu hören was es geworden ist.

      Gruß Andreas

    2. Hi Björn!

      Ich mische mich da mal ein. Ich fahre seit 5000km ein Packster 80 und würde es sofort wieder kaufen. Man muss dazu sagen, dass das hier vorgestellte erste Modelljahr 2017 ein paar Kinderkrankheiten hatte die R&M teilweise behoben hat. Die Box ist deutlich überarbeitet und die nach vor gerückte Sitzbank ist praktisch. Die Federgabel ist hochwertiger (hat jetzt Steckachse). Scheinwerfer ist glaube ich auch besser. (dafür ist auch der Preis um 500 Euro gestiegen).
      Wir haben zudem noch die Griffe gegen Ergon getauscht. Und wir haben die Pedale gegen brauchbare Plattform-Pedale aus dem MTB-Bereich getauscht.
      Für meine kleinere Tochter hat sich eine Weber-Schale (gegen die Fahrtrichtung festgezurrt) bewehrt – das geht ab dem 1. Monat. Die ältere Tochter hat mit 6 Jahren daneben noch genug Platz.
      Das Verdeck des Packster finde ich eigentlich durchdacht und zweckmäßig. Das Fach hinter der Sitzbank ist eigentlich auch praktisch. Und man hat genug Platz zum Lenken.
      Was ich noch sagen würde
      – Nuvinci und Riemenantrieb ist mir noch nie abgegangen. Kann man sich sparen.
      – Dual-Battery habe ich noch nie vermisst.
      – R&M-Gepäckträger ist teuer aber auch sehr praktisch.

      Bei längeren Touren fährt meist meine Frau mit dem Packster und ich mit dem „normalen“ Rad. Damit haben wir ein vergleichbares Tempo.

  6. Hallo! Ein toller Blog! Wir haben lange hin und her überlegt bei der Entscheidung Packster/Load… Schlussendlich ist es ein eHarry von PedalPower geworden, da insbesondere die Wendigkeit beider Modelle in der Stadt nicht voll überzeugt haben. Danke trotzdem für die vielen Anstöße!

    1. Ein Hallo zurück, ich freue mich über das Feedback. Grundsätzlich muss jeder das Lastenrad finden, das zu einem passt, denn es gibt (zum Glück) nicht „das Lastenrad“. Viel Spaß mit Eurem neuen Fahrzeug und allzeit gute Fahrt.

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