Das R&M Packster 70 – ein Alltagstest

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Das R&M Packster 70

Das neue Packster 70 löst, als komplett neues Modell der Lastenradreihe bei Riese & Müller, das Packster 60 und seinen großen Bruder das Packster 80 ab. Es ist darüber hinaus das erste Lastenrad des Herstellers mit einer Seilzuglenkung. Wir hatten zum Jahreswechsel die Möglichkeit es über mehrere Tage auf seine Tauglichkeit im Alltag zu testen. An dieser Stelle vielen Dank an die Radstation Augsburg.

Das R&M Packster 70 im Test
Technische Daten des Testmodells

Das Testrad, ein Packster 70 vario, hat folgende technische Spezifikationen:

Zulässiges Gesamtgewicht:200 kg
Gewicht:41 kg (mit Dual Battery 45 kg)
Länge:249 cm
Breite (Box):innen 60cm / außen63cm
Radstand:187cm
Oberrohr – Durchstiegshöhe:57cm
Laufräder:20″ vorn / 26″ hinten
Motor:Bosch Cargoline Cruise 4. Gen.
Akku:Dual Battery 1250 Wh
Display:Purion
Kindersitz:Doppelkindersitsbank
Quelle: R&M

Der Gepäckträger ist beim Packster 70 standardmäßig verbaut. Neben der Kindersitzbank und dem zweiten Akku ist am Testmodell auch das Performance Package verbaut, welches das Rad um eine gefederte Sattelstütze, die Tectro TRP C2.3 Cargo-Bremse und den Supernova M99 Mini Pro Scheinwerfer mit Fernlichtfunktion ergänzt. Der Neupreis mit dieser Ausstattung liegt bei knapp € 8000.- Die günstigste Variante, ohne Zubehör, hat einen Listenpreis von ca. € 5500.-.

Das Fahrverhalten

Gleich vorweg, da wir im Alltag eigentlich nur mit Lastenrädern fahren, ist es für uns normal mit großen Gefährten unterwegs zu sein. Das Rad verhält sich trotz seines Eigengewichtes sehr agil und liegt, wie alle unsere Cargo-Bikes, sehr gut auf der Straße. Auch bei Geschwindigkeiten von mehr als 45 km/h ändert sich daran nichts.

Der Wendekreis von 2,7 Metern ist sensationell

Beeindruckend ist der sehr geringe Wendekreis. Bedingt durch die Seilzuglenkung kann das Vorderrad um nahezu 90° eingeschlagen werden, und so ist es möglich auf unter 2,7 Metern eine Kehre zu fahren. Im Vergleich dazu benötigt das Packster 40 stolze 3,8 Meter, mit dem Load 60 kann man auf 4 Meter breiten Wegen wenden und das Packster 80 bringt es auf einen Wendekreis von 5,2 Metern.

Der Bosch Cargoline Cruise Motor ermöglicht auch ein Fahren ohne Unterstützung. Im Vergleich zu seinen Vorgängern bemerkt man hier kaum einen Widerstand.

Rahmengeometrie

Die Sitzposition ist sehr aufrecht, kann aber durch die Verstellung der Sattel- und Lenkerhöhe gut auf die Größe des Fahrers abgestimmt werden. Für mich mit einer Körpergröße von 190cm ist der Abstand zwischen Sattel und Lenker eher knapp bemessen. Leider kann dieser nicht wie beim Load variiert werden, lässt sich aber sicher durch einen etwas längeren Vorbau anpassen.

Alltagssituationen

Natürlich konnten wir das Packster, in den drei Tagen, nicht in jeder Situation testen, in der uns unsere Räder sonst durch den Alltag begleiten. Dennoch konnten wir uns beim Einkauf und beim Kindertransport erste Eindrücke verschaffen.

Einkaufen

Im Getränkemarkt und auch beim Einkaufen für die Feiertage bietet die Große Box des Packster 70 ausreichend Staumöglichkeiten. Die Vertiefung im Boden ist so ausgelegt, dass eine Getränkekiste quer darüber gestellt werden kann. In Längsrichtung passt der Kasten in die Vertiefung.

Standard-Kasten

Für Kinder wird der Platz dann allerdings sehr eng. Doch durch den serienmäßig vorhandenen Gepäckträger kann hier bei Bedarf mit Satteltaschen das Ladevolumen ergänzt werden.

Das Rad bietet auch ein paar innovative Lösungen. Unter anderem ein Staufach am hinteren Ende der Box. Dort können Kleinigkeiten wie Spanngurte (davon kann man als Lastenradler nie genug dabei haben) oder auch mal der Schlüssel oder Geldbeutel verstaut werden. Ein Schloss an dieser Stelle wäre noch eine sinnvolle Ergänzung.

Staufach am hinteren Ende der Box

Ohne die Sitzbank vergrößert sich das Ladevolumen noch einmal. Zukünftig bietet Riese&Müller auch ein Cargo Carry System an. Ich bin gespannt.

Kindertransport

Der Transport von Kindern ist aus meiner Sicht, zumindest mit dem bisherigen Zubehör, der Hauptanwendungsbereich des neuen Packster. Es wird nicht umsonst vom Herstelle als Familien e-Bike beschrieben. In der hohen, isolierten EEP-Box sitzt der Nachwuchs sicher und ist auch durch die 5-Punkt-Gurte im Falle eines Sturzes gut geschützt. Da unsere eigenen Kinder eher selber mit den Cargo-Bikes unterwegs sind, mussten wir auf unsere Nichte und deren Bruder zurückgreifen um die Sitzbank zu testen. Diese wurde von der Testcrew als komfortabel und bequem beschrieben und auch größere Kinder finden bequem Platz. Die Neigung der Rückenlehne kann verstellt werden um so eine bequeme Sitzposition zu ermöglichen.

Um selbständig in die Box zu klettern sind links und rechts zwei Trittmulden angebracht, da wir das Rad aber im Winter getestet haben, erwiesen sich diese als nutzlos. Das liegt daran, dass die Winterstiefel der Fahrgäste zu hoch waren um in die kleinen Aussparungen zu passen. Im Sommer mit Sandalen oder leichtem Schuhwerk sind die Tritte sicher gut nutzbar.

Trittmulde für den leichteren Einstieg
Weitere Details

Bei genauerem Hinsehen gibt es noch ein paar Details zu entdecken. So wurde das vordere Schutzblech etwas weiter nach vorn gezogen um ein Spritzen, bzw. ein Fontäne zu vermeiden. Leider ist die Länge des Spritzschutzes gleich geblieben, so dass jetzt bei Schmuddelwetter der vordere Bereich der Kiste sehr schnell verschmutzt. Beim Packster 70 sind so genannte Autoventile verbaut. Dadurch kann der Reifen, auch ohne Adapter, an Tankstellen mit dem entsprechenden Luftdruck versorgt werden. Bisher waren in der Regel „französische Ventile“ verbaut. Die Ladebuchse, mit der die beiden Akkus am Rad geladen werden können, ist auf einer angenehmen Höhe angebracht, so dass man nicht an ungünstigen Stellen den Stecker in die Buchse fummeln muss. Die Akkus selber sind tief im Rahmen, quasi unsichtbar, verbaut und auch im beladenen Zustand jederzeit erreichbar. Das vordere Licht ist starr montiert und lenkt dadurch nicht mit, das stellt aber im Alltag keinen Nachteil dar. Der Ständer ist so gestaltet, dass das Packster nicht „vom Ständer fällt“, wenn man diesen einklappt. Dies ist bei früheren Modellen oftmals der Fall. Das Abstellen wird durch die beiden, im eingeklappten Zustand nach oben gerichteten Enden, deutlich erleichtert und ermöglicht ein „softes“ Parken. Dabei muss das Rad durch einen kräftigen Tritt auf den Ständer gehoben und muss nicht mit reiner Armmuskelkraft nach oben gewuchtet werden. Gerade mit viel Ladung oder kleinen Kindern in der Box ist das eine deutliche Verbesserung.

Noch ein paar Vergleiche mit den anderen Packster Modellen

Nachdem in unserem Fuhrpark ein Packster 40 und sein großer Bruder das Packster 80 beheimatet sind, habe ich diese einfach einmal nebeneinander gestellt um die Modelle zu vergleichen. Wobei das Modell mit den 80cm Ladefläche ebenso wie das Packster 60 nicht mehr produziert werden.

Packster 40, 70 und 80 im Längenvergleich

Die Ladeflächen der verschiedenen Modelle im Vergleich. Packster 40 und 80 ohne Kindersitze, das neue Modell ist mit der Doppelsitzbank ausgestattet.

Fazit

Das neue Packster bringt neben technischen Verbesserungen, wie zum Beispiel den neuen Bosch Motor, die verbesserte Lichtanlage, das Bremslicht oder die Bremsen auch ein paar pfiffige Details mit. Als Familienrad ist der Fokus eindeutig auf den Transport von Kindern gerichtet. Auf das erwähnte Cargo Carry System bin ich gespannt. Unser Packster 80 wurde scherzhaft auch schon als Muldenkipper bezeichnet. Doch genau dort liegen die Vorteile der „alten“ Ladefläche, diese ist unglaublich wandelbar. Durch das Abnehmen der Seitenwände kann hier auch eine Europalette aufgeladen werden. Die Box mit den festen Maßen schränkt dies beim neuen Modell deutlich ein. Dennoch alles in allem ein weiteres tolles Lastenrad, das sicher seine Liebhaber finden wird.

10 thoughts on “Das R&M Packster 70 – ein Alltagstest”

  1. Hallo Andreas,

    vielen Dank für den interessanten Bericht. Ich finde es schade, dass das Packster 80 nicht mehr produziert wird. Aus welchem Material ist denn die „Werkskiste“ ? Ich sehe Kunststoffkanten und die Außenseite sieht nach Styropor aus?! Was ist es tatsächlich?

    Viele Grüße und allzeit gute Fahrt

    Marcus

    1. Sehr gerne. Ich finde unser Packster 80 auch klasse. Die Kiste besteht aus Expandiertem Polypropylen (EPP). Es handelt sich hierbei um einen Partikelschaumstoff auf Polypropylen-Basis.

      1. Hallo Andreas, toller Test, jetzt weiß ich gleich mehr über unser tolles neues Rad😎 Ein Schloss für das Handschuhfach ist optional erhältlich!

  2. Danke für den Bericht, unser 80er steht zwar nicht zur Debatte aber das 70er fand ich dennoch sehr interessant.

    Ich finden das starre Frontlicht jetzt schon eher als Nachteil, gerade im Wald. Es macht das fahren sicherlich insgesamt ruhiger, weil der Lichtkegel nicht jeder kleinen Lenkkorrektur folgt. Aber vielleicht haben sie ja bald eine Kooperation mit Lupine für eine Helmlampe als Zubehör 😂😂😂

    1. Das Licht hat eine solche Ausleuchtung, dass das kein Problem sein sollte. Außerdem gibt es ja noch die Fernlichtfunktion, dann ist hell wie am Tag. Ich denke auf die Helmlampe kann man getrost verzichten.

  3. Hallo Andreas,
    ich kenne eure Seite schon länger und finde es toll, dass ihr tatsächlich den Alltag völlig ohne Auto meistert!
    Der Bericht ist gut nachvollziehhbar und veranschaulicht. Mich hat er darin bestätigt, dass mit dem Wegfall des 80er-Packsters ein Fehler begangen wurde. Ich hatte bereits verschiedenste Modelle, u. a. das erste Douze mit großer Ladefläche und Seilzuglenkung, und wollte mir nach dem Großwerden der Kinder ein Packster 80 kaufen, als es gerade eingestellt wurde. Mein Versuch, noch ein 80er auf dem deutschenen Markt zu ergattern, scheiterte. Genau, was du beschreibst, macht es so genial im Alltag. Ein 60er Packster als S-Pedelec tut es jetzt auch ganz gut, aber mir fehlt die genial große und variable Ladefläche (4 Kisten Mineralwasser!) des großen Bruders.
    Weiterhin allzeit gute Fahrt!
    Martin

    1. Stimmt schon, dass die bisherigen Packster Modelle als „Multifunktionalster“ hervorragende Dienste leisten. Die meisten Lastenroller, die ich kenne, nutzen die Räder als Ersatz für einen Zweitwagen und für den Kindertransport. Daher denke ich, dass hier der Markt massiven Einfluss auf die Produktpolitik genommen hat. Wie gesagt, aus Deiner und meiner Sicht schade, aber die Verkaufszahlen werden eine andere Sprache sprechen. Allzeit gute Fahrt und Danke für Dein Feedback.

  4. Hallo Andreas, vielen Dank für den kompakten, aber äußerst informativen Kurzbericht!

    Als S-Pedelec-Enthusiast finde ich es beim neuen Packster sehr schade, dass R+M hier keinen Bosch Performance Speed anbietet und hier mit der Tradition bricht, nahezu jedes Modell auch als HS-Variante anzubieten. Die Dual Battery-Option mit 1250wh wäre hier der Kicker gewesen.

    1. @speeder’s corner
      Geh mal davon aus, dass diese noch kommt. So konsequent, wie sie bisher HS Modell selbst bei so Rädern wie einem Homage anbieten, wär es komisch, würde es nicht kommen.

      Das Release-Datum des Packster 70 schien so schon mit der heißen Nadel gestrickt und wenn man überlegt, welche Zulassungs-Prozess-Dauer ein Bundeskraftfahramt schon ohne Corona hat, dann wundert es mich nicht, dass es erstmal nicht als HS kommt.

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