Test – Multicharger Vario

(Werbung, da Produkte und Firmenbezeichnungen genannt werden)

Im folgenden Blogbeitrag werden technische wie persönliche, also rein subjektive Eindrücke bezüglich des Multichargers Vario wiedergegeben.

Im Duden kann man zu „multi“ folgende Definition finden:

Multi, als Präfix bedeutet in Bildung mit Substantiven, Adjektiven und Verben vielfach, vielfach, mehrer, viel….

Und ich finde, dass trifft auf das neue Lastenrad aus Darmstadt ziemlich gut zu. Aber der Reihe nach und daher zunächst ein paar technische Details.

Spezifikationen
  • Motor: Bosch Performance CX BDU250, 25 km/h
  • Akkus: Bosch PowerPack 500 Performance, 36 V, 13,4 Ah/500Wh, Bosch PowerTube 500 Vertical, 36 V, 13,4 Ah/500Wh
  • Antrieb: Gates drive belt CDX
  • Bremsen: Magura MT4, disc brake
  • Schaltung: Enviolo 380
  • Frontlicht: Lumotec IQ-XS T
  • Ständer: Ursus 80 Jumbo II Double leg kickstand
  • Radstand: 119,5 cm
  • Laufradgröße: 26’’
  • Gewicht: 30,6 Kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 160 kg

(Quelle: Riese&Müller)

Erster Eindruck

Das Multicharger wirkt kompakt und bullig. Es gehört der Klasse der Longtails an, die bei uns bisher wenig verbreitet ist. Diesen Lastenradtyp findet man vor allem in den USA vor. Das Heck des Multichargers ist aber etwas kürzer als das der klassischen Longtails, daher wird es auch als Midtail klassifiziert. Im Vergleich zum Charger hat die Cargovariante nur einen geringfügig längeren Radstand. Je nach Rahmengröße des Chargers sind dies 6,5 cm (46) bis 0,5 cm (53). Der Hinterbau ist aber um 8 cm länger, was den größeren Gepäckträger ermöglicht. Die beiden Packtaschen für den Heckgepäckträger (max. 60 kg) bieten mit jeweils 33 Liter Fassungsvermögen einiges an Stauraum. Das etwas bulligere Aussehen gegenüber des Chargers ist einerseits durch den Frontgepäckträger, aber andererseits sicher auch durch die kleinere Bereifung mit 26’’, gegenüber 28’’, bedingt. Der vordere Gepäckträger kann mit bis zu 5 kg Gewicht beladen werden.

Mit dem Dual-Akku-System ist es ein richtiger Langstreckenläufer. Voll geladen zeigt das Display eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern an. Das Rad ist bereits ab Werk mit Plattformpedalen und einer guten Beleuchtung ausgestattet. Durch den Doppelständer lässt sich das Multicharger gut beladen. Die Modelle mit Kettenschaltung sind nur mit einem einfachen Ständer ausgerüstet und daher deutlich kippeliger während des Ladevorgangs. Für mich, neben der Wartung und der Möglichkeit im Stand zu schalten, ein weiterer Grund für die Naben-Riemen-Variante.

Alltags- und Streckentest

Wir haben das Lastenrad auf zwei größeren Touren getestet. Einmal zum Ammersee und zurück (ca. 130 Kilometer) und auf einer zweiten Strecke mit etwa 95 Kilometern nach Dachau. Dazwischen wurden auch Strecken im normalen Alltagsbetrieb zurückgelegt. Gut 450 Kilometer in drei Wochen sind das Ergebnis.

Alltag

Im urbanen Alltag ist das Multicharger sehr wendig und mit dem CX-Motor spritzig in der Beschleunigung. Die großen Packtaschen reichen für einen normalen Einkauf meist aus. Nutzt man für den Wocheneinkauf aber Körbe oder Kisten lassen sich diese in den Long-John-Varianten der Lastenräder deutlich besser unterbringen. Richtig schwere Dinge wurden in der Testphase nicht transportiert, denn einerseits darf der Gepäckträger „nur“ mit maximal 60 kg beladen werden und andererseits ist das Einladen bei einer tiefen Ladefläche deutlich angenehmer.

Tour

Die enorme Reichweite ist natürlich ein absoluter Pluspunkt. Aber auch benötigte Utensilien für eine Radreise lassen sich leicht auf/am Multicharger verstauen. Durch seine kompakte Bauweise und Länge fährt sich das Rad auch mit Beladung und bei hohen Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h sehr ruhig. Zu beachten ist hierbei, wie immer bei seitlichen Satteltaschen, eine möglichst gleichseitige Gewichtsverteilung mit tiefem Schwerpunkt. Für große Fahrer (ab 180cm) könnte der Rahmen auf langen Strecken etwas zu kurz sein, um dauerhaft eine angenehme Sitzposition einzunehmen.

Fazit

Zunächst die Frage, ist das Multicharger ein richtiges Lastenrad? Diese Frage ist eindeutig mit „Ja“ zu beantworten, wenngleich das Rad nicht wie ein klassisches Cargobike aussieht. Doch ein Ladevolumen von fast 70 Litern in den Taschen plus Heck- und Frontträger lassen definitiv auf erweiterte Lademöglichkeiten schließen, die über ein normales Fahrrad hinaus gehen. Auf der Strecke zeigt das Rad seine Stärken bei der Reichweite. In der Variante mit zwei Batterien waren nach 95 Kilometern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h immer noch mehr als 100 Kilometer Reichweite auf der Anzeige. (Anmerkung der Fahrerin: Unterstützungsmodus Tour, am Berg auch gern mal eMTB! Häufiges Fahren über der Unterstützung durch reine Muskelkraft wird vom Motor nicht nennenswert behindert)

Gerade für Fahrer, die dem veränderten Fahrverhalten eines Longjohns gegenüber einem „normalen“Fahrrad skeptisch gegenüberstehen, ermöglicht dieses Midtail größere Transportkapazitäten.

Das Einsetzen des Rahmenakkus ist etwas umständlich und erfordert ein wenig Übung. Solange man diesen am Rad laden kann ist das kein Nachteil. Spätestens in der kalten Jahreszeit könnte es aber problematisch werden, wenn man das Rad nicht gerade in der Wohnung oder in der beheizten Garage stehen hat. Daher macht der zweite Akku durchaus Sinn, denn dann kann man auf den Rahmenakku im Winter komplett verzichten.

Das mitgelieferte Bordo-Schloss ist eigentlich immer etwas zu kurz um das Rad vernünftig anzuschließen und ein Rahmenschloss ist leider nicht vorhanden. Ein Ketten und/oder Bügelschloss lässt sich aber in den Packtaschen gut transportieren.

Weiterführende Links und Tests

Ebikespass – Das Multicharger – Backpacking mit dem E-Bike

Riese und Müller – Multicharger vario

Video – Court Rye -EBR.com (englisch)

Ein weiteres Longtail im Test – Das GSD von Tern

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