Eine Panne, das richtige Werkzeug und Cargobikes im ländlichen Raum

Die Panne

Ist man viel mit dem Rad unterwegs, im letzten Monat waren es fast 900 Kilometer, bleiben Pannen natürlich nicht aus. Vorige Woche hat es mich erwischt, als ich gerade mit gut 35 Stundenkilometer die Abfahrt einer Brücke hinuntergefahren bin. Nein, zum Glück kein Platten, aber die hintere Bremse hat mit einem Mal ihren Dienst quittiert. Gott sei Dank gibt es da ja noch die vordere Bremse und die Straße war trocken, so dass ich noch vor der nächsten Einmündung zum Stehen gekommen bin. Zuerst dachte ich an ein Loch im Drucksystem, aber Ölaustritt konnte ich nirgends feststellen. Als ich mir die Bremse am Hinterrad genauer angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass die Feder, die eigentlich die die Bremsbacken auseinanderdrückt, verbogen war und ein Ende die Scheibe berührte. So weiterfahren war kaum möglich.

Beim Bike-Shop-Allycat habe ich vor kurzem ein Multifunktionswerkzeug gewonnen und das Beste, ich hatte es dabei. 😃 Damit konnte ich in wenigen Minuten die Bremsklötze ausbauen und stellte fest, dass bei einem der komplette Belag verschwunden war. Abnutzung und bei der Wartung übersehen? Aber so plötzlich? Wohl kaum, offenbar hatte sich der Belag von der Metallplatten gelöst. Nach dem Ausbau war das Hinterrad wieder gängig und ich konnte meinen Weg in die Arbeit, mit nur geringer Verzögerung, fortsetzen. Ohne hintere Bremse bin ich schon vorsichtiger und vorausschauender unterwegs gewesen. Die fehlende zweite Bremse wurde mir vor allem nach der Arbeit auf dem Weg zur Radstation in die Innenstadt bewusst. Zum Glück gibt es in Augsburg fast immer eine verkehrsarme Route. Auch musste ich mich mächtig zusammenreißen um nicht die hintere Bremse, ohne Beläge, zu benutzen. Aber zum Glück ist es bei einem Lastenrad äußerst unwahrscheinlich, dass bei zu starker Betätigung der vorderen Bremse ein Abstieg über den Lenker erfolgt. 😊 So kam ich wohlbehalten in der Werkstatt an und erhielt umgehend neue Bremsbeläge. Der Heimweg mit zwei Bremsen war deutlich entspannter.

Am vergangenen Sonntag kam das Werkzeug gleich noch einmal zum Einsatz. Am Jolly (Packster 80) war bei einer Radtour in die Stauden (ein Gebiet westlich von Augsburg) plötzlich ein lautes Scheppern zu vernehmen. Die Schrauben der hinteren Ladewand hatten sich gelöst. Mit dem Torx-Dreher am Multitool war auch dieses Problem schnell behoben.

Bordwerkzeug

Neben dem „Alleskönner“ habe ich auch immer noch einen 15er Gabelschlüssel, Reifenheber, Flickzeug und eine Pumpe an Bord. Mit einem Lastenrad ist das ein bisschen wie mit einem Kombi, man kann immer eine Menge dabei haben und es bleibt noch genügend Platz für andere Dinge.

Cargobikes im ländlichen Raum

Apropos Radtour in die Stauden. Unser Ziel war Welden. Dort, auf dem Markt, war auch ein Stand der Radstation vertreten und wie schon bei früheren Veranstaltungen durften wir Interessenten zum Thema eBike bzw. Lastenräder beraten. Es ist schon erstaunlich wie sehr sich die Bedürfnisse auf dem Land und in der Stadt unterscheiden. Während das Cargobike in der Stadt einen regelrechten Boom erfährt und gerade in jungen Familien immer mehr Einzug hält, waren die Menschen 20 Kilometer außerhalb zwar sehr interessiert und auch begeistert von der Probefahrt, grübelten aber über den Einsatzzweck eines solchen Gefährtes nach. Ich kann das schon nachvollziehen. In einem Gespräch wurde es auf den Punkt gebracht. Ein Familienvater meinte, „entweder sind die Distanzen so kurz, dass man diese auch locker zu Fuß oder mit einem klassischen Rad zurücklegen kann oder einfach zu weit um diese mit dem Rad oder Lastenrad in einer vernünftigen Zeit zu bewältigen. Und ohne Auto funktioniert das im ländlichen Raum eh nicht“.

„ich bin froh, das wir es uns leisten können im Alltag auf ein Auto zu verzichten“

Das ist für mich dann wieder der Punkt, an dem mir klar wird, was für ein Glück wir haben, unseren Alltag ohne Auto bestreiten zu können. Im Rahmen der geführten Gespräche zeigte sich auch, dass ein Fahrrad außerhalb der Stadt meist als Sportgerät zur Freizeitgestaltung gesehen wird. Ich bin gespannt wie sich das Mobilitätsverhalten der Menschen im ländlichen Raum in den nächsten Jahren verändert und ob Lastenräder auch diese Gebiete erobern.

 

5 thoughts on “Eine Panne, das richtige Werkzeug und Cargobikes im ländlichen Raum”

  1. Hallo Andreas,

    womit wieder bewiesen wäre, dass man sich so ein Multitool niemals nie zulegen darf. Hat man es, geht prompt was kaputt! 🙂

    Wie immer interessant geschrieben; Danke.

    Gruß

    Marcus

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